Der überraschende Rücktritt von Markus Waldner als FIS-Renndirektor der Männer zieht weitere Kreise: Speed-Chef Hannes Trinkl, der ehemalige ÖSV-Abfahrtsweltmeister, hat das Angebot abgelehnt, Waldner auf dem prestigeträchtigen Posten nachzufolgen – und spielt nun selbst mit dem Gedanken, die FIS zu verlassen. Das berichteten mehrere Medien in den vergangenen Tagen, nur wenige Tage vor dem Weltcup-Opening in Sölden.
Trinkl sagt Nein zur Waldner-Nachfolge
Nach dem Abgang des langjährigen Rennleiters Waldner wurde Trinkl die Position angeboten. Der Oberösterreicher lehnte das Angebot jedoch ab. Als Begründung soll er angeführt haben, dass sein Know-how für diese Aufgabe nicht groß genug sei.
In seiner Position ist Trinkl für die Vorbereitung und Kurssetzung bei Abfahrten auf höchster Ebene zuständig. Trinkl weiß auch aus eigener Erfahrung, worauf es im Abfahrtssport ankommt: 2001 wurde der Oberösterreicher selbst Abfahrts-Weltmeister. Seit der Saison 2014/15 ist er als FIS-Rennleiter für die Speed-Disziplinen der Männer verantwortlich.
Appell für eine Rückkehr Waldners
Statt den Posten zu übernehmen, richtete Trinkl einen öffentlichen Appell an den Weltverband. «Die FIS sollte alles daran setzen, dass Markus zurückkommt, weil es in meinen Augen für diese schwierige Tätigkeit keinen Besseren als ihn gibt. Er hat zu allen einen guten Draht und hat regelmäßig in schwierigen Momenten die richtige Entscheidung getroffen.» Eine Rückkehr Waldners gilt in Branchenkreisen allerdings als unwahrscheinlich.
Was hinter Waldners Rücktritt steckt
Offiziell begründete Waldner seinen Schritt mit dem wachsenden Druck des Amtes. «Im Laufe der Jahre – während sich die FIS und der Sport weiterentwickelt haben und gewachsen sind – hat sich dieser Druck immer weiter aufgebaut, bis zu dem Punkt, an dem ich das Gefühl habe, nicht mehr über die nötige Energie und die richtige Einstellung zu verfügen, um eine weitere volle Saison so zu bestreiten, wie ich es mir gewünscht hätte», erklärte der Südtiroler. Hinter den Kulissen kursieren jedoch andere Gerüchte über die wahren Hintergründe seines Abgangs, die einen Rücktritt kurz vor Saisonstart besonders brisant erscheinen lassen.
Berichten zufolge soll ein Krach mit FIS-Generalsekretär Urs Lehmann der wahre Anlass für Waldners Rücktritt gewesen sein. Der ehemalige Ski-Boss der Schweiz soll Waldners Zuständigkeiten aktiv eingeschränkt haben, unter anderem wurde der Südtiroler bei der FIS-Tagung in Genf, als es um Kalenderplanung und Produktentwicklung ging, genauso wie Frauen-Renndirektor Peter Gerdol, nicht zu den Meetings eingeladen. Zudem hatte sich Waldner laut Insiderberichten erfolglos um den neu geschaffenen Posten des FIS-Alpindirektors beworben, der von Geschäftsführer Urs Lehmann kreiert wurde, um die Rennleitung zu entlasten. Doch im vergangenen Juli erhielt der finnische Super-G-Spezialist Janne Leskinen den Vorzug.
Reaktionen aus dem Skizirkus
Die Nachricht sorgte für Bestürzung in der Szene. Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer würde einen möglichen Abgang Trinkls bedauern: «Die Zusammenarbeit mit Hannes war über all die Jahre sehr gut. Wenn er tatsächlich aufhören sollte, wäre er auf dieser Position nur sehr schwer zu ersetzen», so der Schweizer. Auch Trinkl selbst zeigte sich erschüttert und sprach gegenüber oe24 von einer «Schockstarre», und bezeichnete den Rücktritt von Markus als «eine Katastrophe für den ganzen Sport».
Trinkls eigene Zukunft steht infrage
Ob der Oberösterreicher seinen eigenen Posten behält, hängt nach eigenen Angaben maßgeblich davon ab, wer künftig an der Spitze der Rennleitung steht. «Dieses Geschäft ist nicht zum Spaßen. Es geht um die Gesundheit der Athleten. Da muss man sich gut überlegen, mit wem man das mittragen kann - oder eben nicht», sagte Trinkl gegenüber «Blick». Ein klares Signal, dass sich an seinem möglichen Verbleib in den kommenden Wochen entscheidet, wer Waldners Erbe antritt.
Wie es bei der FIS weitergeht
Für die ersten Rennen der neuen Saison übernimmt interimistisch Peter Gerdol, bisher Renndirektor bei den Frauen, auch die Zuständigkeit für die Männer. Für die ersten Rennen der neuen Saison wird Peter Gerdol, Renndirektor bei den Frauen, auch für die Männer zuständig sein. Waldner soll seinen Nachfolger danach aktiv begleiten und einarbeiten. Der Ski-Weltcup startet traditionell am Rettenbachgletscher in Sölden mit den Riesentorlauf-Rennen der Damen und Herren am 24. und 25. Oktober 2026 – mitten in der turbulenten Übergangsphase, die auch das weitere Schicksal von Trinkl prägen dürfte. Wer Trinkl künftig als Partner auf der Strecke zur Seite steht, bleibt vorerst offen, ebenso wie viele andere Personalfragen im alpinen Skizirkus, etwa jene rund um das überraschende Karriereende von Fredrik Villumstad im Skispringen.
