Markus Waldner hat am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt als FIS-Renndirektor der alpinen Herren erklärt – nur rund zwei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden. Nach zwölf Jahren im Amt übergibt der 63-jährige Südtiroler die Verantwortung für die Männer-Rennen vorerst an seine Kollegin aus dem Frauen-Weltcup.

Der international renommierte Renndirektor hatte den Posten 2014 übernommen. Seither galt er als zentrale Figur im alpinen Skizirkus, zuständig für Streckenpläne, Sicherheitsfragen und die Organisation der Weltcup-Rennen auf höchstem Niveau.

Warum Waldner nach zwölf Jahren aufhört

Markus Waldner tritt per sofort als FIS-Renndirektor zurück – nach zwölf Jahren fehlen ihm Energie und mentale Kraft. In der offiziellen Mitteilung des Weltverbands wird er mit klaren Worten zitiert.

«Enormer Druck» als Hauptgrund

«Ich treffe diese Entscheidung nicht leichtfertig», wird Waldner in einer Aussendung des internationalen Skiverbandes FIS zitiert. «Die Verantwortung für den alpinen Skisport auf höchster Ebene zu tragen, ist ein Privileg, aber es ist auch eine Position, die mit enormem Druck verbunden ist.»

«Im Laufe der Jahre – während sich die FIS und der Sport weiterentwickelt haben und gewachsen sind – hat sich dieser Druck immer weiter aufgebaut, bis zu dem Punkt, an dem ich das Gefühl habe, nicht mehr über die nötige Energie und die richtige Einstellung zu verfügen, um eine weitere volle Saison so zu bestreiten, wie ich es mir gewünscht hätte», erklärte Waldner. Der Entschluss sei ihm nach eigenen Angaben keineswegs leichtgefallen.

Wer folgt auf Waldner?

Eine endgültige Nachfolgelösung gibt es noch nicht. Die Nachfolge ist noch offen. Der Weltverband hat die Suche nach einem neuen starken Mann für die Herren-Rennen jedoch bereits gestartet.

Gerdol übernimmt vorübergehend beide Serien

Für den ersten Teil der Saison bündelt die FIS die sportliche Leitung bei Peter Gerdol. Der Chef-Renndirektor der Frauen wird vorübergehend auch die Rennen der Männer beaufsichtigen. Ganz verabschiedet sich Waldner dabei nicht: Während der gesamten Saison 2026/27 will er seinen Nachfolger bei der Übergabe unterstützen und einen möglichst reibungslosen Wechsel gewährleisten.

Auch danach soll der Südtiroler der FIS erhalten bleiben. Gleichzeitig würde geprüft, welche Aufgaben innerhalb der FIS der Südtiroler danach übernehmen könnte. FIS-Alpindirektor Janne Leskinen würdigte Waldners Arbeit: «In den letzten zwölf Jahren in dieser Rolle war Markus ein wahrer Bezugspunkt für den alpinen Skisport und die starke Präsenz von FIS vor Ort. Das hat einen unermesslichen Wert», wird der Finne zitiert.

Was der Rücktritt für den Saisonstart bedeutet

Der Zeitpunkt könnte für die FIS kaum ungünstiger sein. Der Rücktritt kommt gut zwei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt mit den Riesentorläufen von Sölden (24. und 25. Oktober) aber dennoch überraschend. Damit muss sich der Weltverband mitten in den letzten Vorbereitungen auf die neue Ski-Weltcup-Saison neu organisieren.

Waldner war seit seinem Amtsantritt eine feste Größe bei Streckenbesichtigungen und Jurysitzungen und genoss im Fahrerfeld hohes Ansehen. Sein Abgang reiht sich in eine Serie personeller Umbrüche im Wintersport ein, wie zuletzt auch Geschichten rund um Sportlerinnen wie die Schweizer Ski-Ikone Joana Hählen gezeigt haben, die abseits der Piste für Schlagzeilen sorgten.

Für die österreichischen Fans bleibt die Personalie brisant, da Sölden traditionell der Schauplatz des Weltcup-Auftakts ist und die heimischen Athletinnen und Athleten direkt betroffen sind, wenn sich an der sportlichen Leitung etwas ändert. Bis zur Saisoneröffnung wird sich zeigen, ob die FIS bereits einen langfristigen Nachfolger präsentieren kann oder ob Peter Gerdol die Doppelrolle über den Winter hinaus ausfüllen muss.

Eine Ära geht zu Ende

Mit Waldners Rückzug verliert der alpine Skisport einen seiner erfahrensten Funktionäre. Zwölf Jahre lang prägte er Streckenprofile, Sicherheitsstandards und den Rennkalender mit – nun beginnt für die FIS ein Umbruch, dessen Ausgang erst im Laufe der kommenden Saison klar werden dürfte.