Der norwegische Skispringer Fredrik Villumstad hat am Wochenende überraschend das Ende seiner aktiven Karriere verkündet. Der 27-Jährige gab seinen Rücktritt über soziale Medien bekannt, nachdem er zuvor bei den norwegischen Meisterschaften in Oslo zum letzten Mal an den Start gegangen war.

Der Abschied am Midtstubakken

Seinen Abschied hat Fredrik Villumstad auf dem heimischen Midtstubakken gefeiert, bei den norwegischen Meisterschaften in Oslo ging er zum letzten Mal an den Start. International war der 27-Jährige bereits seit Februar nicht mehr in Erscheinung getreten.

„Jetzt hat ein neues Kapitel begonnen“, schrieb Villumstad zum Auftakt seines Beitrags. Die Nachricht kam für viele überraschend, schließlich war der Springer noch im abgelaufenen Winter Teil des norwegischen Nationalteams.

Wer ist Fredrik Villumstad

Vom Junioren-Weltmeister zum Weltcup-Stammgast

Bei den Junioren-Weltmeisterschaften holte er vier Medaillen, allesamt in Mannschaftswettbewerben: 2018 in Kandersteg Gold im Mixed-Team und Bronze mit dem Team, ein Jahr später in Lahti zweimal Silber. Sein Weltcup-Debüt feierte der gebürtige Osloer im März 2019 in Lillehammer, die ersten Punkte sammelte er im November 2021 in Nischni Tagil.

Zu den Besten der Welt stieß er zweimal vor: Platz neun im März 2022 vor heimischem Publikum am Holmenkollen sowie Rang neun im Dezember 2024 in Wisla. Im Weltcup sprang der Norweger insgesamt 25 Mal in die Punkte. Bei der Vierschanzentournee 2024/25 belegte er mit allen vier Springen am Ende den 23. Gesamtrang, deutlich hinter den österreichischen Spitzenspringern, die das Podest dominierten.

Erfolge im Continental Cup

Deutlich erfolgreicher war Villumstad eine Etage tiefer: Sechs Siege feierte er im Continentalcup, je drei im Winter und im Sommer, den letzten Sieg seiner Karriere feierte er 2025 im japanischen Sapporo. Eine persönliche Bestleistung stellte Villumstad noch im vergangenen Winter auf, allerdings außer Konkurrenz: Als Vorspringer segelte er am Vikersundbakken auf 215 Meter.

Fehlende Motivation als Grund

„Ich habe verstanden, dass der Weg zur Erfüllung weiterer Träume und zum Erreichen weiterer Ziele zu lang und zu anspruchsvoll ist, als dass meine Motivation für den weiteren Kampf ausreichen würde“, so Villumstad. Trotz des Schlussstrichs blickt er nicht bitter zurück.

„Trotzdem bin ich stolz auf die Träume, die ich verwirklichen konnte, und auf die Ziele, die ich erreicht habe“, erklärt der Norweger. Er werde für immer allen dankbar bleiben, die ihn unterstützt, an ihn geglaubt und ihm Chancen gegeben hätten, einen besonderen Dank richtete er an seine Eltern, „die immer wollten, dass ich das tue, was ich liebe“.

Was jetzt für Norwegens Team folgt

Saisonstart ohne Villumstad

Im November beginnt in Lillehammer die Skisprung-Saison, doch nicht mit dabei ist Fredrik Villumstad, der wenige Wochen vor dem Weltcup-Auftakt unerwartet seine Karriere beendete. Für das norwegische Team bedeutet das den Verlust eines erfahrenen Kaders-Mitglieds, auch wenn Villumstad zuletzt nicht mehr zum engsten Weltcup-Stamm gehörte.

Ein bewegtes letztes Kapitel

Villumstad gehörte in der vergangenen Saison zu jenen norwegischen Athleten, die vom sogenannten Anzug-Skandal betroffen waren, der die Nordische Ski-WM in Trondheim überschattete und mehrere norwegische Topspringer vorübergehend suspendierte. Das Thema beschäftigte den gesamten Ski-Weltcup über Monate und sorgte auch international für Diskussionen.

Der Rücktritt reiht sich damit in eine Serie überraschender Abschiede im Wintersport vor dem Start der neuen Saison ein, wie zuletzt auch der Rückzug von Markus Waldner als FIS-Renndirektor gezeigt hat. Für Norwegens Nachwuchs rückt nun die Frage in den Vordergrund, wer die freiwerdenden Plätze im Kader künftig ausfüllen kann, wenn die Saison im November in Lillehammer beginnt.