Der alpine Ski-Weltcup ist am Samstag, dem 24. Oktober 2026, mit dem Riesentorlauf der Frauen am Rettenbachgletscher in Sölden in die neue Saison gestartet. Mit dem Riesentorlauf der Damen wurde der alpine Skiweltcup 2026/2027 am Samstagvormittag eröffnet. Den ersten Sieg des Winters sicherte sich überraschend die US-Amerikanerin Paula Moltzan, die sich mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung auf die für Albanien startende Lara Colturi durchsetzte. Für Österreich begann der Tag dagegen mit einem Schreckmoment: Titelverteidigerin Julia Scheib stürzte im ersten Durchgang schwer, blieb aber unverletzt, während Franziska Gritsch als einzige ÖSV-Läuferin unter den Top 30 auf Platz neun die rot-weiß-rote Ehre rettete.

Schrecksekunde: Scheib stürzt vor Heimpublikum

Julia Scheib, Gewinnerin des Riesentorlauf-Weltcups der Vorsaison, war mit bereits klarer Bestzeit unterwegs, als sie im Steilhang nach einem Rechtsschwung nach hinten gedrückt und ausgehoben wurde und sich in einem hohen Bogen überschlug. Durch ihr Ausscheiden war der Weg zur Bestzeit frei für die Konkurrenz, allen voran Mikaela Shiffrin, die zur Halbzeit in Führung lag. In den ersten Interviews im Zielraum gab Scheib unmittelbar nach dem Vorfall Entwarnung: «Die ersten Checks waren einmal positiv», sagte die Steirerin.

Historisch schwache Zwischenbilanz für die ÖSV-Damen

Ohne Scheib fiel die halbzeitliche Bilanz des ÖSV mager aus: Nur Franziska Gritsch schaffte mit 1,48 Sekunden Rückstand als 15. den Sprung in die Entscheidung, während etwa Stephanie Brunner mit 2,81 Sekunden Rückstand lediglich 38. wurde. Schlechter hatten die österreichischen Läuferinnen zur Halbzeit in Sölden noch nie abgeschnitten, ein ungewohntes Bild für eine Nation, die den Ort traditionell als Hoheitsgebiet betrachtet.

Gritsch rettet die ÖSV-Ehre

Die Tirolerin Franziska Gritsch, die am Rennort selbst zuhause ist, war am Ende die einzige Österreicherin im zweiten Durchgang und rettete vor rund 14.600 Zuschauern die rot-weiß-rote Ehre. Sie verbesserte sich von Rang 15 im ersten Lauf mit der siebentbesten Zeit im Finale auf Platz neun und schaffte damit zum sechsten Mal in ihrer Karriere ein Top-Ten-Ergebnis im Riesentorlauf.

Kleines Privatteam zahlt sich aus

Besonders bemerkenswert: Die 29-Jährige trainiert seit fast drei Jahren abseits des Verbandsgefüges in einem kleinen Privatteam. Ihr letztes Top-Ten-Resultat in dieser Disziplin lag seit März 2024 zurück, ehe sie nun am Heimgletscher wieder anschreiben konnte.

Moltzan schreibt nach 149 Rennen Geschichte

Für Paula Moltzan war es der erste Weltcupsieg ihrer Karriere, nachdem die 32-Jährige zuvor bereits zehnmal auf dem Podest gestanden war, aber nie ganz oben. Die Amerikanerin katapultierte sich im zweiten Durchgang bei schwierigeren Sichtverhältnissen von Platz fünf auf Rang eins und verwies damit auch ihre prominente Teamkollegin Mikaela Shiffrin, die nach Halbzeitführung noch auf Platz sieben zurückfiel, auf die Plätze. «Ich glaube, man muss einfach immer groß träumen, dann kann man ihn auch Realität werden lassen», sagte eine sichtlich gerührte Moltzan im Ziel.

Komplettiert wurde das Podest von der Deutschen Emma Aicher, die als Neunte nach dem ersten Lauf noch aufholte und sich über ihren allerersten Stockerlplatz in einem Riesentorlauf freute. Für die 22-Jährige, die vergangenen Winter im Gesamtweltcup bis zuletzt mit Shiffrin mitgehalten hatte, war es nach einem vierten Platz in Åre das bislang beste Resultat ihrer Karriere in dieser Disziplin.

Wie geht es weiter für Österreich und den Weltcup?

TV-Übertragung in Österreich

Der Riesenslalom der Männer wird am Sonntag, dem 25. Oktober, ab 9.25 Uhr live im ORF gezeigt, der die gesamte Saison mit rund 250 Stunden Live-Übertragungen begleitet. Ob die ÖSV-Herren nach dem durchwachsenen Start der Damen für einen Erfolgsmoment sorgen können, wird sich zeigen; zuletzt hatte der Verband mit Rücktritten und Personalfragen wie jener um die FIS-Renndirektor-Nachfolge sowie dem verletzungsbedingten Ausfall von Aleksander Aamodt Kilde, der sich kürzlich die Achillessehne riss, zu kämpfen.

Nächste Stationen und Historie in Sölden

Nach dem Auftakt am Rettenbachgletscher macht der Weltcup-Tross als nächstes in Gurgl Station, wo am 21. und 22. November Slaloms auf dem Programm stehen. Der Sölden-Riesentorlauf bleibt für den ÖSV ein schwieriges Pflaster: Erst 2025 hatte Julia Scheib dort den ersten Sieg einer Österreicherin in einem Weltcup-Riesentorlauf seit März 2016 gefeiert, ehe sie heuer selbst zur tragischen Figur wurde.