Oliver Glasner steckt mit Nottingham Forest in der tiefsten Krise seiner noch jungen Zeit in England. Der Österreicher, seit dem Sommer Cheftrainer der «Tricky Trees», wartet in der Premier League weiter auf einen Befreiungsschlag, während rund um den City Ground bereits über seine Zukunft diskutiert wird.

Horrorstart für Österreichs Trainer in der Premier League

Nur ein Sieg in sieben Pflichtspielen, zuletzt zwei Niederlagen in Folge: Für Trainer Oliver Glasner läuft es bei Nottingham Forest noch alles andere als nach Wunsch. Besonders schmerzhaft war die Rückkehr zu seinem Ex-Klub: Oliver Glasners Rückkehr in den Selhurst Park verläuft alles andere als ideal, denn mit seinem neuen Team Nottingham Forest verliert der österreichische Trainer in der sechsten Runde der Premier League bei seinem ersten Aufeinandertreffen mit Ex-Klub Crystal Palace 1:3. Auch danach bleibt Forest gefährlich, dennoch besorgt Daichi Kamada in der 41. Minute den Ausgleich für Crystal Palace, ehe die «Eagles» in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch ein Kopfballtor von Jefferson Lerma die Partie drehen.

Danach ging es zu Hause gegen Arsenal weiter, und auch dort setzte es eine Niederlage. Forest unterlag Arsenal knapp mit 1:0, obwohl eine couragierte Leistung geboten wurde, und wartet damit in fünf Spielen über alle Bewerbe im City Ground weiterhin auf ein eigenes Tor. Für einen Klub, der sich vom neuen Trainer offensiven Fußball und internationale Ambitionen erhofft hatte, ist das eine bittere Zwischenbilanz.

Die Zahlen hinter der Krise

Expected Goals sprechen für Glasner

Wer nur auf die Tabelle schaut, sieht einen Absteigerkandidaten. Die fortgeschrittenen Statistiken zeichnen jedoch ein anderes Bild: Forest sitzt dritter in der Tabelle für erwartete Punkte, hinter Arsenal und Manchester City, vor Brighton. Die Grundlage dafür liefert eine robuste Defensive kombiniert mit vielen eigenen Chancen, die bislang schlicht nicht im Tor landen.

Wie lange halten die Bosse still?

Die entscheidende Frage ist, wie viel Geduld Klubbesitzer Evangelos Marinakis aufbringt. Sean Dyche wurde nach 114 Tagen im Amt entlassen, Vitor Pereira hielt sich fast 20 Tage länger durch, ehe er nach 135 Tagen seinen Posten verlor – Glasner steht aktuell bei rund 105 Tagen im Amt und könnte bei anhaltender Ergebniskrise in eine ähnliche Gefahrenzone geraten.

Marinakis gibt (noch) Rückendeckung

Öffentlich hält der Verein bislang an Glasner fest. Beobachter wie Jamie Carragher warnen jedoch bereits vor einem möglichen Trainerwechsel: Carragher geht davon aus, dass Nottingham Forest Glasner während der Länderspielpause oder rund um Weihnachten entlassen könnte, nachdem der Klub in den ersten sieben Ligaspielen nur einen Sieg, zwei Remis und vier Niederlagen holte. Eine unmittelbar bevorstehende Entlassung ist laut den Berichten aber nicht bestätigt. Für den früheren Frankfurt- und Crystal-Palace-Coach bleibt damit ein schmaler Grat zwischen Vertrauensvorschuss und wachsendem öffentlichen Druck, ein Thema, das zuletzt auch heimische Trainer wie bei Stephan Helm bei Austria Wien beschäftigt hat.

Was Forest jetzt braucht: der Fahrplan

Gastspiel bei Aufsteiger Ipswich Town

Die nächste Gelegenheit zur Trendwende bietet sich auswärts. Forest geht mit nur einem Sieg und fünf Punkten aus den ersten sieben Premier-League-Spielen in die Partie, ein Auswärtssieg bei Ipswich würde den Klub aus den Abstiegsrängen holen. Positiv für Glasner: Schlüsselspieler Morgan Gibbs-White ist einsatzbereit, nachdem er zuvor als Fraglich galt und die Heimniederlage gegen Arsenal verpasst hatte.

Prestigeduell gegen Manchester City

Noch mehr Aufmerksamkeit wird das folgende Heimspiel bekommen. Nur Außenverteidiger Nicolo Savona und Stürmer Igor Jesus fehlen weiterhin, wobei Letzterer laut Glasner im besten Fall rechtzeitig zum Spiel gegen Manchester City am 7. November zurückkehren könnte, auch wenn ein Risiko vor der anschließenden Länderspielpause fraglich erscheint. Rund um diese Partie in der Premier League ist auch das Interesse an Tickets zuletzt spürbar gestiegen.

Vom Erfolgscoach zum Prüfstein: Wer ist Glasner

Der 1974 in Salzburg geborene Glasner ist in Österreich kein Unbekannter. Als Verteidiger spielte er fast seine gesamte Karriere für den österreichischen Bundesligisten SV Ried, ehe er nach dem Karriereende als Co-Trainer bei Red Bull Salzburg arbeitete und 2014 als Cheftrainer zu Ried zurückkehrte. Danach folgten Stationen bei LASK, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt, ehe er bei Crystal Palace den FA Cup gewann und im Sommer zu Forest wechselte, wo er Vitor Pereira als Cheftrainer beerbte.

Sportlich bleibt Forest damit ein Sonderfall: ein Klub mit europäischem Anspruch, der laut den zugrunde liegenden Daten besser dasteht, als es die Tabelle zeigt, dessen Fans und Bosse aber zunehmend ungeduldig werden. Wie beim jüngsten Höhenflug von Liverpool in der Premier League zeigt sich einmal mehr, wie schnell sich die Stimmung in der englischen Eliteliga drehen kann – im Guten wie im Schlechten. Für Glasner und sein Team zählen in den kommenden Wochen nur noch Ergebnisse.