Nach der fünften Saisonniederlage der laufenden Spielzeit wackelt der Posten von Stephan Helm bei der Wiener Austria so stark wie nie zuvor in seiner Amtszeit. Nach der Länderspielpause setzte es am Samstag ein 0:2 bei Sturm und damit die bereits fünfte Saisonniederlage, in der Tabelle sind die Veilchen nur Zehnter – zwei Zähler vor dem Abstiegsplatz. Rund um das Spiel ist in Wien-Favoriten eine hitzige Debatte über die Zukunft des Trainers entbrannt.

Fünfte Niederlage schürt die Krise

Für Austria Wien war die Pleite bei Sturm Graz ein weiterer Rückschlag in einer ohnehin schwierigen Saison. Helm selbst versuchte nach der Partie, positive Signale zu betonen: Was die Leistungen betrifft, bewegt sich der Trend in die richtige Richtung, aber die Ergebnisse fehlen, war sein Fazit nach dem 0:2 gegen Sturm.

Schon zuvor hatte Kapitän Manfred Fischer deutliche Worte gefunden. Nach dem 2:2 beim GAK ging die Austria mit einer durchwachsenen Bilanz in die dreiwöchige Länderspielpause, Kapitän Manfred Fischer bezeichnete die Situation als nicht gut genug.

Wer ist Stephan Helm?

Vom Interimscoach zum Cheftrainer

Der Trainer Stephan Helm, geboren am 10. April 1983, ist seit Juli 2024 bei Austria Wien unter Vertrag. Vor seiner Beförderung zum Cheftrainer war er bei den Young Violets tätig. Helm arbeitete erst seit Ende Februar 2024 als Chefcoach der Young Violets, war schon 2018 im Trainerteam von Thorsten Fink und später Thomas Letsch für die Spielanalyse der Violetten verantwortlich und arbeitete unter Fink auch in der Schweiz, bevor er Co-Trainer unter Dominik Thalhammer beim LASK wurde und danach die erste Mannschaft des SKN St. Pölten betreute. Diese gemeinsame Vergangenheit mit Fink bekommt angesichts der aktuellen Debatte eine zusätzliche Note.

Vertragsverlängerung bis 2028

Erst im Frühjahr hatte der Verein Vertrauen in Helm demonstriert. Austria Wien verlängerte den im Sommer auslaufenden Vertrag von Cheftrainer Stephan Helm vorzeitig um zwei Jahre bis 2028. Die Bilanz, die zu dieser Entscheidung geführt hatte, war durchaus positiv: In 69 Spielen hatte die Mannschaft bis dahin im Schnitt 1,72 Punkte pro Partie geholt, und bereits in seiner ersten Saison war Austria bis zur letzten Runde im Titelrennen.

Sky-Experten diskutieren Trainerwechsel

Im neuen Podcastformat von Sky Sport Austria nahmen die Experten Didi Hamann und Marko Stankovic die violette Krise auseinander. Beim FK Austria Wien liegen Anspruch und Realität derzeit weit auseinander, der neuerlich schwache Saisonstart sorgt auch bei den Sky-Experten für deutliche Kritik. Besonders die erste Halbzeit gegen Sturm hatte Hamann missfallen: die erste Halbzeit war wirklich schlecht, da ist vieles Stückwerk, da ist vieles, habe ich das Gefühl, dem Zufall überlassen.

Im Vergleich zur Konkurrenz sieht Hamann die Austria aktuell dort, wo sie aktuell steht: Dass das Stadion gut gefüllt sei, die Fans dafür aber zu wenig geboten bekämen, sei ebenfalls problematisch, sein Fazit laute, da, wo sie stehen, da gehören sie hin im Moment. Brisant: Auch Stankovic, der sich selbst als Anhänger von Helm bezeichnet, brachte einen Wechsel ins Spiel. Sky-Experte Marko Stankovic, seinen eigenen Worten nach ein großer Sympathisant von Stephan Helm, warf im Podcast mit Didi Hamann bereits einen neuen Impuls durch Trainerwechsel in den Raum.

Fans wollen Thorsten Fink zurück

Die Kritik aus den eigenen Reihen beschränkt sich nicht auf TV-Experten. Zahlreiche Austria-Fans stehen ihrem Trainer schon länger kritisch gegenüber, weil selbst in guten Phasen der gezeigte Fußball sehr weit vom Leitbild des Vereins abweicht, auch wenn die limitierten Finanzen das violette Scheiberlspiel kaum zulassen, schleicht sich das Gefühl ein, es wäre mehr möglich.

In diesem Klima gewinnt eine Personalie an Aufmerksamkeit: Pünktlich zu dieser Trainer-Diskussion kommt nun wieder ein Mann auf den Trainermarkt, der die Veilchen an eine bessere Zeit erinnert. Gemeint ist Thorsten Fink, unter dem Helm einst als Videoanalyst gearbeitet hatte. Der Verein selbst gibt sich öffentlich loyal: Sportvorstand Tomas Zorn ist bereits gefordert, dem Trainer den Rücken zu stärken, und betont, es fordere den Club nicht auf, wild und unüberlegt zu handeln.

Wie geht es für Austria Wien weiter?

In der Tabelle der Österreichischen Bundesliga droht der Anschluss nach unten, während Teams wie Rapid laut Hamann bereits deutlich stärker einzuschätzen sind. Im Vergleich zu anderen Topteams der ADMIRAL Bundesliga sieht der Sky-Experte die Austria derzeit deutlich im Hintertreffen, besonders der LASK und Rapid hätten sich abgesetzt, auch Salzburg und Sturm Graz zählt Hamann zu den Mannschaften, die er stärker einschätzt. Mit Blick auf die verbleibenden Partien der Hinrunde warnte Hamann zudem vor einem Abrutschen unter den Strich. Es besteht eine nicht kleine Chance, dass sie unter dem Strich stehen nach elf Spielen, dann musst du erst einmal hochkommen, so der ehemalige deutsche Nationalspieler. Ob Helm die Kurve noch kriegt oder der Verein tatsächlich auf einen neuen Impuls setzt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.