Vor dem Großen Preis der USA in Austin (23. bis 25. Oktober) ist Valtteri Bottas zum Gesprächsthema der Formel-1-Szene geworden: Laut einem Bericht von oe24 übte Ex-Pilot Ralf Schumacher scharfe Kritik am Finnen und befand, er solle «zu Hause bleiben und Rad fahren». Die Wortmeldung trifft den Cadillac-Piloten ausgerechnet in jener Woche, in der sein Team sein erstes echtes Heimrennen in den USA zelebriert.

Bottas war nach einer Saison als Mercedes-Reservist 2026 in die Formel 1 zurückgekehrt. Das Team gab bekannt, dass Valtteri Bottas und Sergio Perez als Fahrerpaar für den Formel-1-Einstieg von Cadillac zurückkehren würden. Für den Finnen, der zwischen 2017 und 2021 für Mercedes an der Seite von Lewis Hamilton fuhr, war es die Rückkehr nach einem Jahr ohne Stammcockpit.

Schumachers Kritik an Bottas

Die öffentliche Abrechnung von Ralf Schumacher reiht sich in eine Serie von Spekulationen über Bottas' Zukunft bei Cadillac ein. Bereits im September hatte der Finne Gerüchte über einen möglichen Abschied dementieren müssen, nachdem Teamchef Graeme Lowdon überraschend entlassen worden war. Die Personalie sorgte für Spekulationen, dass sowohl Perez als auch Bottas dem geschassten Teamprinzipal bald folgen könnten, bevor der Finne die Gerüchte zurückwies.

Sportlich gibt es für Kritiker durchaus Anknüpfungspunkte: Cadillac wartete bis Ende August noch auf den ersten Punkt, Bottas' bestes Resultat war ein 13. Platz in China. Auch Wochen später hat sich daran wenig geändert, der Finne liegt in der Fahrerwertung weit hinten.

Cadillac feiert erstes Heimrennen in Austin

Unabhängig von der Debatte um Bottas steht für Cadillac an diesem Wochenende ein besonderer Termin an. Die Formel 1 kehrt zum Circuit of the Americas in Austin zurück, dem zweiten von drei US-Rennen der Saison, das vom 23. bis 25. Oktober als klassisches Wochenende ohne Sprint ausgetragen wird. Für den US-Hersteller ist es damit das zweite echte Heimrennen der Debütsaison.

Passend dazu hat sich das Team optisch in Szene gesetzt. Cadillac tritt mit einer eigens gestalteten, von Cowboy-Motiven inspirierten Lackierung an, die bei den Boliden von Bottas und Perez die Wurzeln von Texas und dem Südwesten der USA aufgreift. Die Designer hätten dabei Details wie die Skyline von Austin und eine Streckenkarte des Circuit of the Americas eingearbeitet.

Herta ersetzt Perez im ersten Training

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt der Einsatz von Nachwuchsfahrer Colton Herta. Der Amerikaner wird im ersten freien Training am Freitag das Auto von Sergio Perez übernehmen, wie Cadillac am Dienstag bestätigte. Es ist bereits sein vierter Trainingseinsatz für das Team in dieser Saison, nach Stationen in Barcelona, Budapest und Monza.

Für Herta hat der Termin eine besondere Bedeutung, da er 2019 am selben Kurs seinen ersten IndyCar-Sieg feierte. Perez übernimmt das Cockpit für das zweite Training wieder selbst, während Herta parallel seine schwierige Formel-2-Saison bestreitet. Bottas selbst ist von der Rochade nicht betroffen und fährt das gesamte Wochenende im eigenen Auto.

Wie steht Bottas in der WM-Wertung da?

Die Zahlen des bisherigen Cadillac-Debütjahres fallen für den Finnen ernüchternd aus. Nach 17 gefahrenen Rennen steht Bottas ohne einen einzigen WM-Punkt auf dem 22. Platz der Fahrerwertung. Für einen Piloten mit zehn Grand-Prix-Siegen und 67 Podien aus seiner Mercedes-Zeit ist das eine ungewohnte Ausgangslage, die Kritiker wie Schumacher offenbar bestärkt.

Was Bottas in Austin erreichen will

Trotz der schwierigen Bilanz hatte Bottas zuletzt betont, langfristig an Bord bleiben zu wollen, auch über die aktuelle Saison hinaus. Ein gutes Abschneiden in Austin, wo er wie Perez und Herta bereits über Streckenerfahrung verfügt, könnte ihm nach den jüngsten Diskussionen Rückenwind geben. Die Formel 1 setzt ihre Saison im Anschluss mit dem direkt folgenden Mexiko-Rennen fort, ehe es nach Brasilien weitergeht.

Was kommt für Cadillac als Nächstes?

Die kommenden Wochen gelten für das neue Team als wichtiger Prüfstein, da sich mit Austin, Mexiko-Stadt und Sao Paulo direkt drei Rennen in Nord- und Südamerika aneinanderreihen. Wie sich das Projekt sportlich weiterentwickelt, dürfte auch Einfluss darauf haben, wie lange Bottas und Perez ihre Plätze behalten. Parallel verfolgt die Formel-1-Saison an der Spitze weiterhin ein enges Titelrennen, zuletzt sorgte etwa der Erfolg von Max Verstappen für Schlagzeilen, während sich bei Red Bull strategische Fragen stellen. Für Cadillac und Bottas bleibt Austin vorerst eine Gelegenheit, die Debatte um die eigene Zukunft mit sportlichen Argumenten zu beruhigen.