Im Fußball-Weltverband FIFA spitzt sich der Machtkampf um die Präsidentschaft weiter zu, und mittendrin steht ein Österreicher: ÖFB-Präsident Josef Pröll zählt zu den schärfsten Kritikern von Amtsinhaber Gianni Infantino, dessen vierte Amtszeit beim FIFA-Kongress im März 2027 im marokkanischen Rabat ansteht. Der 56-Jährige führt den Weltverband seit 2016 an, beim nächsten FIFA-Kongress im März 2027 im marokkanischen Rabat strebt er die Wiederwahl für eine vierte Amtszeit an. Doch während Pröll noch vor Wochen zuversichtlich war, bröckelt die europäische Front zusehends.
Pröll als Gesicht der Opposition
Der Hintergrund des Streits reicht zurück auf gescheiterte Pläne Infantinos, Anteile an den Fußball-Weltmeisterschaften der Männer, Frauen und Vereine an Investoren zu verkaufen. Der FIFA-Präsident hatte versucht, über eine neu gegründete Firma eine Beteiligung von rund 20 Prozent an den Fußball-Weltmeisterschaften der Männer, der Frauen und der Klub-WM zu verkaufen, wobei Joshua Kushner, Bruder des Trump-Schwiegersohns Jared Kushner, als Hauptinvestor galt. Nachdem diese Pläne scheiterten, zog auch der ÖFB seine ursprüngliche Unterstützung für Infantino zurück. Der ÖFB zog getreu der Linie des europäischen Kontinentalverbandes seine ursprüngliche Unterstützung für Infantino zurück, der Aufsichtsratsvorsitzende Josef Pröll hofft auf einen chancenreichen Gegenkandidaten.
Pröll äußerte sich dabei ungewöhnlich deutlich: «Den Versuch, Konzepte autokratisch durchzusetzen, trägt es in einer Gruppe wie den FIFA-Mitgliedsverbänden nicht», sagte der ÖFB-Präsident. Der 58-Jährige erklärte, im persönlichen Umgang mit Infantino kein Problem zu haben, doch es braucht jemanden an der FIFA-Spitze, der eine integrative Persönlichkeit ist, die Entwicklung des Fußballs in den Vordergrund stellt und nicht andere Schwerpunkte persönlicher oder machtpolitischer Natur setzt.
Die Rückendeckung für Infantino wächst
Zuletzt bekam Infantino jedoch unerwartete Schützenhilfe aus Asien. Auf einem außerordentlichen Kongress des asiatischen Kontinentalverbands AFC in Tokio hat sich dessen Präsident Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa für eine vierte Amtszeit des Schweizers ausgesprochen und sicherte ihm «uneingeschränkte Unterstützung» zu. Damit steht nicht nur Asien geschlossen hinter dem FIFA-Chef: 22 arabische Verbände sowie Afrikas 54 Verbände unterstützen den FIFA-Chef. Für Beobachter bedeutet das eine deutliche Verschiebung der Machtverhältnisse. Eine Abwahl des umstrittenen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino wird unwahrscheinlicher.
Der Zeitplan bis zur Wahl in Rabat
Trotzdem hält die UEFA an ihrem Kurs fest. Die Nominierungsfrist endet am 18. November, eine Alternative zu Infantino soll Anfang November stehen. Erst Anfang Oktober hatte sich Pröll bei einem UEFA-Treffen in Berlin noch optimistisch gezeigt, dass ein geeigneter Gegenkandidat gefunden werden kann. ÖFB-Präsident Josef Pröll äußerte sich positiv über die Stimmung bei der UEFA-Sitzung in Berlin und sprach über einen Gegenkandidaten zu FIFA-Präsident Gianni Infantino. Ob dieser Optimismus angesichts der neuen Fronten aus Asien und Afrika Bestand hat, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.
Nebenschauplatz: U15-WM in Baku ohne Österreich
Parallel zum Machtkampf an der FIFA-Spitze sorgt der Weltverband mit einem weiteren Großprojekt für Schlagzeilen – und auch hier fehlt Österreich. In Aserbaidschan beginnt am Donnerstag eine Fußball-WM von ungeahnter Größe: 189 Nachwuchsteams reisen in die Hauptstadt Baku, um an der neuen U15-WM der FIFA teilzunehmen - Russland kehrt dabei auf die Fußballbühne zurück, die Ukraine und auch der DFB entsenden jeweils keine Mannschaft. Auch der ÖFB verzichtet auf eine Teilnahme. Der ÖFB verzichtet aus organisatorischen und logistischen Gründen auf die Teilnahme, eine sportliche Qualifikation war für das Turnier nicht erforderlich.
Das Format selbst ist ungewöhnlich: Die Teams werden in 32 Vorrundengruppen eingeteilt und spielen dort um die Plätze in der K.o.-Runde, anschließend werden alle Teams anhand ihrer Ergebnisse auf sechs Turniere verteilt, in denen jeweils ein Sieger gekürt wird. Fast tausend Spiele sollen auf 20 Kleinfeldern innerhalb von neun Tagen stattfinden, gespielt wird acht gegen acht. Für Russland bedeutet die Teilnahme eine Rückkehr auf die internationale Bühne. Russlands Verband ergreift diese Möglichkeit und nimmt damit erstmals an einem weltweiten Turnier teil, seit Staatschef Wladimir Putin den Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen hat.
Wie geht es weiter?
Für den ÖFB und Josef Pröll bleibt die Hauptbaustelle der Machtkampf um die FIFA-Spitze. Bis zur Nominierungsfrist Mitte November muss klar werden, ob es überhaupt einen ernsthaften Gegenkandidaten zu Infantino gibt – sonst droht dem Schweizer trotz aller Kritik eine weitgehend widerstandslose Wiederwahl im März 2027. Abseits der Verbandspolitik richtet sich der sportliche Fokus des ÖFB-Teams ohnehin schon auf die nächsten Aufgaben in der Nations League, wo zuletzt auch jüngere Spieler wie Felix Bacher ihr Debüt feierten. Die Entwicklungen rund um Infantino und die U15-WM in Baku zeigen aber, wie stark politische Fragen inzwischen den Weltfußball prägen – weit über den Rasen hinaus.
