Loris Karius hat sich am Donnerstag erstmals klar zu seiner Nichtberücksichtigung durch Bundestrainer Jürgen Klopp geäußert. Der Schalker Torhüter sagte vor Journalisten, die Nationalmannschaft interessiere ihn momentan nicht, nachdem er trotz starker Leistungen beim Aufsteiger aus Klopps erstem XXL-Kader herausgefallen war.
Karius zieht einen Schlussstrich
Vor der ersten Kader-Nominierung des neuen Bundestrainers im September war Karius wochenlang als möglicher Überraschungskandidat gehandelt worden. Der 33-Jährige hatte Schalke mit Paraden unter anderem beim 0:0 gegen den FC Bayern und beim 3:1-Auswärtssieg bei Union Berlin zu wichtigen Punkten verholfen.
Am Ende entschied sich Klopp gegen ihn. Nun stellt Karius öffentlich klar, dass er sich darüber keine Gedanken mehr macht und die Entscheidung des Bundestrainers akzeptiert.
Die Vorgeschichte zwischen Klopp und Karius
Die beiden verbindet eine lange gemeinsame Zeit beim FC Liverpool. Karius stand dort von 2016 bis 2022 unter Vertrag und war bis 2018 auch Stammtorhüter unter Klopp.
Der Bruch nach Kiew
Im Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid unterliefen Karius unter Klopps Regie zwei folgenschwere Fehler bei der 1:3-Niederlage. Berichten zufolge kühlte das Verhältnis der beiden danach spürbar ab, Karius verbrachte in den Folgejahren Leihstationen in Istanbul und bei Union Berlin, ehe er noch einmal nach Liverpool zurückkehrte, ohne dort je wieder unter Klopp zu spielen.
Fünf andere Namen im Tor
Für seinen ersten Kader als Bundestrainer entschied sich Klopp stattdessen für Marc-André ter Stegen, Jonas Urbig, Finn Dahmen, Alexander Nübel und Noah Atubolu. Schalkes Trainer Miron Muslic reagierte nach der Entscheidung diplomatisch und betonte, man müsse die Wahl des Bundestrainers respektieren.
Klopps Blick richtet sich längst nach vorn
Während Karius seinen Frieden mit der Entscheidung macht, arbeitet Klopp bereits an seinem zweiten Kader für die Nations-League-Spiele im November. Nach dem torlosen Remis beim jüngsten Auftritt in Thessaloniki steht die deutsche Nationalmannschaft in der Nations-League-Gruppe derzeit nur auf Rang drei hinter Griechenland und den Niederlanden und benötigt im Finish mindestens Platz zwei fürs Viertelfinale.
Kleinerer Kader statt XXL-Format
Anders als im September, als Klopp gleich 44 Spieler aufbot, kündigte der Bundestrainer für die beiden November-Partien ein deutlich schlankeres Aufgebot von 23 oder 24 Akteuren an. Die Entscheidung soll am 5. November fallen, einen Tag bevor die DFB-Elf am 13. November in Belgrad auf Serbien trifft, ehe es drei Tage später in Berlin gegen die Niederlande geht.
Beobachtungstouren statt Topspiel
Um die richtige Auswahl zu treffen, verzichtet Klopp ausgerechnet auf das Topspiel der Bundesliga zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern. Stattdessen reist er nach Leverkusen, wo der SC Freiburg zu Gast ist – jener Klub, aus dem Klopp im September bereits gleich vier Spieler berief. In der kommenden Woche will er zudem den FC Bayern im Champions-League-Duell bei Arsenal in London beobachten und dabei auch ein Auge auf den genesenen Kai Havertz werfen.
Was von Karius übrig bleibt
Für Karius selbst bedeutet die klare Absage keinen Bruch mit seinen sportlichen Zielen. Der Schlussmann will sich laut eigener Aussage weiterhin voll auf seine Aufgabe beim Aufsteiger konzentrieren, der mit ihm im Tor überraschend konstante Leistungen zeigt.
Ob die Personalie damit endgültig vom Tisch ist, bleibt offen – zumal Klopp im Tor bislang auf wechselnde Lösungen gesetzt hat und sich die Hierarchie zwischen ter Stegen, Urbig, Dahmen, Nübel und Atubolu noch nicht endgültig gefestigt hat. Für den November-Kader dürfte die Torwartfrage daher erneut ein zentrales Thema werden, auch wenn Karius selbst inzwischen betont, nicht mehr darüber nachzudenken.
