Der Karlsruher SC hat am Montag bekanntgegeben, dass der vereinslose Stürmer Enzo Crivelli ab sofort im Wildpark mittrainiert. Der Zweitligist reagiert damit auf die anhaltende Offensivkrise der Mannschaft und sucht Verstärkung für die Angriffsreihe.

Warum sucht der KSC überhaupt einen neuen Stürmer?

Die Bilanz der Badener in der laufenden Saison spricht für sich: Nur sechs Tore stehen bislang auf der Habenseite des Karlsruher SC. In drei der sechs Ligapartien stand vorne zudem die Null, so auch bei den jüngsten Heimniederlagen gegen Energie Cottbus (0:3) und den 1. FC Nürnberg (0:1). Nach sechs Spieltagen liegt der KSC nur auf dem 14. Tabellenplatz der 2. Bundesliga.

Verschärft wird die Lage durch den langwierigen Ausfall von Neuzugang Moritz Broschinski, der laut Vereinsangaben verletzungsbedingt wohl für den Rest des Jahres fehlt. Die Karlsruher hatten daher bereits angekündigt, sich nach Alternativen für den Sturm umzusehen.

Wer ist Enzo Crivelli?

Der 31-jährige Franzose ist seit dem Ende seines Engagements beim iranischen Erstligisten Sepahan FC vereinslos. In der vergangenen Saison kam er dort auf 16 Pflichtspieleinsätze und erzielte drei Tore. Zuvor hatte Crivelli bereits für mehrere Klubs in seiner Heimat sowie für Servette FC in der Schweiz gespielt und stand mit dem türkischen Verein Basaksehir FK sogar in der Champions League auf dem Platz.

Der 1,84 Meter große Angreifer gilt als körperlich robuster Zielspieler, der in der Vergangenheit immer wieder seine Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt hat. Genau diese Eigenschaft erhofft sich der KSC nun für die eigene Offensive.

Eine besondere Verbindung zu Borussia Mönchengladbach

Für Fußballfans mit gutem Gedächtnis ist Crivellis Name kein Unbekannter, wenn es um Borussia Mönchengladbach geht. In der Gruppenphase der Europa-League-Saison 2019/20 musste Gladbach am letzten Gruppenspieltag bei Basaksehir FK antreten. Bis kurz vor dem Ende hielten die Fohlen ein 1:1 fest, das zum Weiterkommen gereicht hätte. Dann jedoch stand Crivelli in der ersten Minute der Nachspielzeit goldrichtig und erzielte das 2:1-Siegtor Basaksehirs, was das Ausscheiden der Borussia besiegelte. Beim KSC hofft man nun genau auf diese Art von Kaltschnäuzigkeit in entscheidenden Momenten.

Wie geht es für den KSC und Crivelli weiter?

Zunächst wird Crivelli mehrere Tage am Training der Karlsruher teilnehmen. Den bislang wichtigsten Härtetest soll er am Freitag im Testspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden bestehen. Timon Pauls, Direktor Profifußball beim KSC, beschrieb das Vorgehen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur so: „In den kommenden Tagen werden wir ihn uns genau anschauen, wie er sich im Trainingsbetrieb und auch am Freitag im Testspiel gegen Wehen Wiesbaden präsentiert. Danach werden wir ganz offen besprechen, ob eine feste Verpflichtung Sinn ergibt.“

Sollte der KSC sich für eine feste Verpflichtung entscheiden, könnte Crivelli bereits im ersten Spiel nach der Länderspielpause zum Einsatz kommen. Am 11. Oktober tritt der Karlsruher SC beim FC St. Pauli an, ehe es danach im Wildparkstadion weitergeht.

Ein Verein unter Zeitdruck

Für Trainer Maximilian Senft und die sportliche Leitung um Sportgeschäftsführer Mario Eggimann ist die anstehende Länderspielpause eine willkommene Gelegenheit, um die Kaderplanung zu ordnen und die erste kleine Krise der Saison zu moderieren. Die Ausgangslage bleibt jedoch klar: Ohne mehr Durchschlagskraft im Angriff droht dem KSC ein Rutsch in den Tabellenkeller der 2. Bundesliga. Ob Enzo Crivelli tatsächlich der gesuchte Torgarant wird, dürfte sich schon in den kommenden Tagen entscheiden.