DFB-Sportdirektor Rudi Völler hat sich am Wochenende in einem Interview mit der „Bild“ erstmals ausführlich zur Zukunft von Julian Nagelsmann geäußert. Der frühere Bundestrainer ist seit seinem Aus beim DFB im Sommer ohne Verein, laut Völler soll sich das aber bald ändern. Der 66-Jährige rechnet fest mit einer schnellen Rückkehr seines früheren Trainers auf die Bank eines Spitzenklubs.

Was Völler über Nagelsmanns Zukunft sagte

Rudi Völler glaubt an eine baldige Rückkehr des ehemaligen Bundestrainers Julian Nagelsmann auf die Trainerbank und verriet: „Wir haben einige Male telefoniert“, ergänzt um die Einschätzung: „Julian wird ein bisschen durchatmen, zur Ruhe kommen. Und dann wird er schnell wieder eine absolute Top-Mannschaft übernehmen, da habe ich keine Zweifel.“ Völler betonte zudem: „Er ist ein exzellenter Trainer.“

Der Hintergrund: das Aus nach dem WM-Debakel

Nagelsmann hatte das Nationalteam im September 2023 als zwölfter Bundestrainer der DFB-Ära übernommen, sein ursprünglich bis 2028 datierter Vertrag wurde nach seinem Abgang aufgelöst und er erhielt eine Millionen-Abfindung. Nach dem frühen WM-Aus ging alles schnell: Bundestrainer und DFB gingen ab sofort getrennte Wege, nachdem die deutsche Nationalmannschaft vorzeitig ausgeschieden war. Konkret scheiterte die deutsche Auswahl im Sechzehntelfinale an Paraguay – ein Ergebnis, das als eine der größeren Enttäuschungen der jüngeren DFB-Geschichte gilt.

Gesellschaftervertreter und Aufsichtsrat der DFB GmbH hatten auf Vorschlag von Präsident Bernd Neuendorf einstimmig die sofortige Auflösung des Vertragsverhältnisses beschlossen, nachdem Nagelsmann selbst darum gebeten hatte, ihn nach dem enttäuschenden WM-Verlauf von seinen Aufgaben zu entbinden. Im Gespräch mit „Bild“ ging Völler auch auf einen weiteren Kritikpunkt der vergangenen Monate ein.

Kritik an Familienbesuchen und Nachfolger Klopp

Zur Kritik an den vielen Familienbesuchen im Camp sagte Völler: „Die anderen Verbände haben es mit den Familien ähnlich gehandhabt. Unser Problem war die Macht der Bilder, zum Beispiel mit den Familien beim Aussteigen aus der Mannschaftsmaschine am Flughafen. Schon nach dem ersten oder zweiten Spiel habe ich gedacht, dass uns das irgendwann nochmal einholen könnte, wenn es sportlich nicht läuft.“

Als Nachfolger übernahm Jürgen Klopp das Amt des Bundestrainers. Mit dessen Arbeit zeigte sich Völler im selben Interview sehr zufrieden und verglich dessen Ausstrahlung mit der von Christoph Daum, mit dem er selbst zusammengearbeitet habe. Die deutsche Auswahl bestreitet unter Klopp derzeit die ersten Partien der neuen Nations-League-Saison, während sich Nagelsmann weiterhin ohne Anstellung befindet.

Auch Sammer meldet sich zu Wort

Nicht nur Völler beschäftigte sich zuletzt öffentlich mit Nagelsmanns Zukunft. Auch der frühere DFB-Sportdirektor Matthias Sammer äußerte sich in der vergangenen Woche im Sky-Format „Sammer & Basile“ zu dem Thema. Sammer bezeichnete Nagelsmann als „erstklassigen Fachmann“, der es in Hoffenheim und in Leipzig sehr gut gemacht habe, dem aber „manchmal der letzte Schritt gefehlt“ habe – auch in München.

Anders als Völler verband Sammer sein Lob jedoch mit einem konkreten Ratschlag. Aus seiner Sicht sollte Nagelsmann die Zusammenarbeit mit seiner Berateragentur beenden, bevor er den nächsten Karriereschritt geht. Als Gesprächspartner nannte Sammer beispielhaft den erfahrenen Trainer Friedhelm Funkel.

Wie geht es für Nagelsmann weiter?

Seit seinem Aus als Bundestrainer ist es tatsächlich vergleichsweise ruhig um Julian Nagelsmann geworden, doch sein enger Vertrauter Völler zeigt sich überzeugt, dass er bald ins Trainergeschäft zurückkehren wird. Ein konkreter neuer Arbeitgeber wurde bislang von keiner Seite offiziell bestätigt.

Für den DFB und Bundestrainer Klopp liegt der Fokus indes auf den laufenden Nations-League-Verpflichtungen, während die Debatte um Nagelsmanns nächste Station die deutsche Fußballöffentlichkeit weiter beschäftigen dürfte. Wer den 39-Jährigen am Ende tatsächlich verpflichtet, bleibt vorerst offen.