Spanien hat am Samstagabend im Londoner Wembley-Stadion ein torreiches Duell gegen England mit 3:2 gewonnen und damit die neue Saison der UEFA Nations League eröffnet. In der Neuauflage des EM-Finals von 2024 drehte der amtierende Weltmeister eine zwischenzeitliche englische Führung und blieb damit in einer langen Serie ohne Niederlage.

Yamal trifft früh, England schlägt zurück

Bereits nach zwei Minuten musste James Trafford hinter sich greifen, nachdem Marc Guéhi einen schweren Fehler beging und Lamine Yamal cool zur frühen spanischen Führung einschob. Tuchel hatte überraschend auf den 23-jährigen Leeds-Keeper anstelle von Jordan Pickford gesetzt.

Nach dem frühen Rückstand kämpfte sich England zurück ins Spiel. Nach Yamals Führungstreffer in der 2. Minute drehte England das Spiel durch Anthony Gordon (36.) und Harry Kane (40.). Gordon traf dabei nach einem sehenswerten Konter, ehe Kane per Kopf nachlegte und die Three Lions mit 2:1 in die Pause schickte.

Der Elfmeter, der alles veränderte

Kurz nach der Pause bot sich England die große Chance auf die Vorentscheidung. In der 54. Minute hatte Kane die Chance zum 3:1, nachdem Rodri Jude Bellingham gefoult hatte, doch der Stürmer rutschte im Anlauf mit dem Standbein weg und der Ball prallte an die Latte. Wegen eines dabei entstehenden Doppelkontakts hätte der Treffer ohnehin nicht gezählt.

Der Fehlschuss markierte den Wendepunkt der Partie. Nur sechs Minuten später erzielte der eingewechselte Alex Baena mit einem präzisen Rechtsschuss den Ausgleich, und in der 74. Minute bereitete Baena auch den spanischen Siegtreffer vor, als Mikel Oyarzabal vor James Trafford auftauchte und den Keeper mit einem Lupfer überwand. Ausgangspunkt für Baenas Tor war ein Fehlpass von O'Reilly, den Dani Olmo abfing, ehe Baena die Kugel präzise neben den Innenpfosten setzte.

Tuchel nimmt Kane vom Feld

In der 83. Minute nahm Tuchel überraschend Kane vom Feld. England versuchte in der Schlussphase nochmals alles, fand aber keine Lösung mehr gegen die spanische Defensive.

Nach Abpfiff äußerte sich der englische Nationaltrainer selbstkritisch zur Niederlage. Tuchel sagte, das Ergebnis sei nicht das, was man gewollt habe, und man müsse damit leben, sich davon erholen, daraus lernen und die eigenen Fehler reduzieren. Zum entscheidenden Moment des Spiels merkte er an: „Das war womöglich der entscheidende Moment, denn ich glaube, dann hätte Spanien vielleicht zum ersten Mal daran geglaubt, dass ihre lange Serie ungeschlagener Spiele hier endet.“

Kritik an der Abwehr, Druck auf Tuchel steigt

Trotz eines unterhaltsamen Spiels blieb die englische Defensive im Fokus der Kritik. Englische Medien lobten zwar den Unterhaltungswert der Partie und die Offensive der Three Lions, doch die teils erschreckende Abwehrleistung wurde auch Tuchel angekreidet. Die „Daily Mail“ schrieb, Tuchel habe zwar bewiesen, dass es mit der Mannschaft vorangehe, doch das altbekannte Problem bleibe bestehen, weshalb das kommende Spiel in Tschechien plötzlich ungemein bedeutsam werde.

Auch für Kane, der seit knapp vier Jahren keinen Elfmeter mehr verschossen hatte, war der Fehlschuss besonders bitter. Spaniens Nationaltrainer Luis de la Fuente führt sein Team damit weiterhin ungeschlagen durch die Wettbewerbe, während für Tuchel und England schon der nächste Auftritt in der Gruppe über die weitere Ausrichtung des Neustarts nach dem enttäuschenden WM-Ende entscheiden dürfte.

Kroatien und die Schweiz siegen ebenfalls

Am selben Spieltag gab es weitere Ergebnisse in der Nations League. Im Parallelspiel der Gruppe gewann Kroatien mit 2:1 in Tschechien durch Tore von Luka Modric und Marco Pasalic, während Adam Karabec für die Tschechen zwischenzeitlich ausglich. Eine Liga tiefer siegte die Schweiz dank der Treffer von Remo Freuler und einem Doppelpack von Zeki Amdouni mit 3:0 in Nordmazedonien.